Sander-Plump+Wencke

Ausstellungsarchiv

Die Malerinnen Agnes Sander-Plump und Sophie Wencke

Ausstellung vom 23. Mai – 4. Oktober 2020

aktuelle Ausstellung -Kleine Japanerin in blauer Jacke von Agnes Sander-Plump

Kleine Japanerin in blauer Jacke von Agnes Sander-Plump
Privatbesitz

Agnes Sander-Plump Cartoon

Aus: Grafische Blätter von Agnes Sander-Plump
Privatbesitz

Agnes Sander-Plump Mädchen vor Worpsweder Landschaft

Mädchen vor Worpsweder Landschaft von Agnes Sander-Plump
Privatbesitz

Sophie Wencke Hämelchenburg

Hämelchenburg von Sophie Wencke
Privatbesitz

Sophie Wencke Hammewiesen

Hammewiesen von Sophie Wencke
Lilienthaler Kunststiftung

Einige Gedanken und Hintergrundinformationen

Wir befinden uns durch die Corona-Pandemie in einer historischen schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Situation. Der Ausgang und die Folgen für uns alle sind ungewiss und seriös nicht vorhersagbar.

Blicken wir auf das Lebensumfeld der beiden Malerinnen. Zu ihrer Zeit erlebten sie:

  • die Ausläufer der industriellen Revolution mit hoher Arbeitslosigkeit
  • den 1. Weltkrieg
  • die Weltwirtschaftskrise
  • die Inflation
  • die spanische Grippe
  • die Schrecken des Nationalsozialismus
  • den 2. Weltkrieg mit 60 Mio. Toten

Trotzdem schafften sie uns – jede auf ihre eigene Art – wunderbare Bilder. Sie zeugen von einer großen, lebensbejahenden Haltung.

Vieles von dem heute Gesagten lässt sich dadurch relativieren. Lassen wir uns beim Betrachten der Kunstwerke ein wenig erfreuen.

Die alte Hansestadt Bremen erlebte um 1900 mit der Industrialisierung und dem wachsenden Welthandel einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, verbunden mit einer Bevölkerungsexplosion. Das Interesse an Kunst und Kultur stieg allgemein, besonders auch bei den Bremer Bürgertöchtern. Zu Unrecht sind die Werke dieser Künstlerinnen weitgehend unbekannt oder nur wenigen Kunstinteressierten vertraut. Diese Lücke wird in der jetzigen Ausstellung mit diesen beiden Künstlerinnen geschlossen. Es gilt für sie: „Ich will keine Künstlerin sein, ich bin eine Künstlerin und mein höchster Stolz ist, dass meine Kunst weiblich sei…“ (Vally Wygodzinski, 1873-1905, Mitbegründerin der Berliner Sezession).

Agnes Sander-Plump (1888 Bremen – 1981 Lilienthal)

Agnes Plump wird 1888 als Tochter des Bremer Kaufmanns Hermann Plump und seiner Frau Agnes geboren. Künstlerische Tätigkeit ist in der Familie weit verbreitet. So schreibt sie selbst im Katalog zur Ausstellung im Bremer Focke-Museum anlässlich ihres 80. Geburtstages: „Ich zeichnete viel als Kind, was zwar nicht auffiel, da sämtliche Familienmitglieder künstlerisch begabt waren und es höchstens als befremdet bemerkt wurde, wenn ein Kind keine Eins im Zeichnen hatte“. Sie erhält ihren ersten Zeichenunterricht bei der bedeutenden Bremer Malerin Margarethe von Reinken.

Zeitlebens widmet sich Agnes Sander-Plump dem Malen und Zeichnen von Kinderbildnissen. Es sind stets leise Töne, die sie anschlägt, in dem eine ruhige Körperhaltung der Kinder mit verhaltener Mimik einhergeht. Ihre Malweise verrät einen sicheren Umgang mit Pinsel und Zeichenstift.

Eine Bereicherung in ihrem künstlerischen Werdegang stellt die Begegnung mit Lovis Corinth (1858-1925) dar, einem der Hauptvertreter des „deutschen Impressionismus“, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin eine Malschule gegründet hatte. Bei ihm absolviert sie im Winter 1918/1919 Studien in Aktzeichnen und weiß ihn ebenfalls als guten Ratgeber in dieser Zeit. 1924 reist sie mit Minne Beckmann, der Frau Max Beckmanns, nach Paris. 1936 nimmt sie endgültig Wohnsitz in Worpswede.

Ihre Werke wurden in vielen Ausstellungen gewürdigt: In der Kunsthalle Bremen, im Grafischen Kabinett Bremen, im Bremer Focke-Museum.

Als Überraschung präsentieren wir etwa 20 noch nie gezeigte grafische Blätter (ca. 50 cm x 65 cm). Im freien, bunten, cartoonartigen Stil, mit Gouache und Aquarell auf Pappe ausgeführt, illustrieren sie humorvolle Situationen des Alltäglichen.

Sophie Wencke (1874 Bremerhaven – 1963 Worpswede)

Sophie Wencke zählt zu jenen Künstlerinnen, deren Werke wesentlichen Anteil am Fortbestand des Künstlerortes Worpswede hatten und eine bestimmte Vorstellung von diesem prägten. Aus ihrem großen Oevre haben zahlreiche Bilder bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Reproduktionen eine weite Verbreitung gefunden. Dies gilt insbesondere für ihre lyrisch aufgefassten, von der Empfindung getragenen Landschaftsbilder von Moor und Heide.

Sophie Wencke verhilft dem Künstlerort durch ihre Stimmungslandschaften zu weiterem Bestand und zur Festschreibung eines „Mythos“. Sie zieht 1898 in den kleinen Ort Worpswede im Teufelsmoor. Sie wird dort Schülerin von Otto Modersohn, dessen Bildauffassung sie stark prägt. Die Grundlagen der Malerei hatte sie bereits zuvor erlangt. Sie beginnt ihre Studienjahre in Dresden. Danach geht sie nach Berlin an die 1895 von dem Maler Conrad Fehr gegründete Kunstschule.

In Worpswede findet Sophie Wencke das ihr entsprechende Umfeld. Sie malt die herbe Landschaft, ihre Weite, oftmals begleitet von einem dramatischen Wolkenhimmel. Damit spiegelt sich in dem Gesamtwerk von Sophie Wencke ein großer Teil Geschichte der Malerei Worpswedes von den Anfängen bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts.

Wiederholt werden ihre Arbeiten an verschiedenen Orten in Gemeinschaftsausstellungen mit anderen Worpsweder Künstlern wie Otto Modersohn, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler präsentiert.

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