Bokelmann Mackensen

Ausstellungsarchiv

Christian Ludwig Bokelmann und sein Schüler Fritz Mackensen

Ausstellung vom 14. April – 13. Oktober 2019

aktuelle Ausstellung - Volksbank kurz vor dem Krach von Christian Ludwig Bokelmann

Volksbank kurz vor dem Krach von Christian Ludwig Bokelmann

Die Worpsweder Mühle von Fritz Mackensen

Die Worpsweder Mühle von Fritz Mackensen

Ruhende Schafe von Fritz Mackensen

Ruhende Schafe von Fritz Mackensen

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt in der Malerei einen Epochenwechsel dar. Unter dem Einfluss der Schule von Barbizon mit dem „Zurück zur Natur“ bildeten sich in Europa zahlreiche Künstlerkolonien.

Die wohl bekannteste und wohl auch wirkungsvollste Kolonie des deutschen Sprachraums war das im Teufelsmoor gelegene Worpswede. Das kleine Bauerndorf Worpswede wurde durch den  zufälligen Besuch des jungen Düsseldorfer Kunststudenten Fritz Mackensen im Jahre 1884 entdeckt. Ihm folgten in den weiteren Jahren die vier Künstler Otto Modersohn, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Carl Vinnen sowie bald danach Heinrich Vogeler.
Kaum bekannt ist, dass die regionale Kunstgeschichte bereits davor begann. Der in Lilienthal-St. Jürgen geborene Christian Ludwig Bokelmann (1844 – 1894) ging 1868 erst im Alter von 24 Jahren auf die Düsseldorfer Kunstakademie. Davor hatte er auf Wunsch seiner Eltern zunächst in Hamburg-Harburg eine kaufmännische Ausbildung erhalten und eine Tätigkeit ausgeübt. Erste Erfolge stellen sich schon bald ein. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 erhält er für sein Bild „Im Trauerhause“ eine Medaille und wird später Ehrenmitglied der Wiener Akademie. Seine Bilder werden in den 1870er/1880er Jahren zu Dokumenten der Sozialgeschichte. Bokelmann gilt als der erste Künstler in Deutschland, der die sozialen Nöte seiner Zeit nicht allein im Arbeitermilieu sondern auch in bürgerlichen Kreisen schildert. Internationale Anerkennung findet Bokelmann 1877 mit dem Gemälde „Volksbank kurz vor dem Krach“, heute im Besitz des Milwaukee Art Museums.

Darüber hinaus zeichnet er sich durch eine realistische Darstellung des schlichten Volkslebens in seiner norddeutschen Heimat aus.
In seiner Düsseldorfer Zeit wird er Lehrer des ersten Worpsweders Fritz Mackensen (1866 – 1953). Und dieser schrieb damals an seine Mutter: „Sein (Bokelmanns) Ruf als Maler ging bald um die ganze Welt.“ Mackensen begann 1892 mit den Arbeiten an seinem berühmten Gemälde „Gottesdienst im Freien“. Dieses großformatige Gemälde wurde im Atelier eines Förderers in den Jahren 1994/95 fertiggestellt, als Bokelmann zum Professor nach Karlsruhe und anschließend an die Berliner Akademie berufen wurde.
Und es war dieses monumentale Gemälde, für das Mackensen im Jahre 1895 auf der internationalen Ausstellung im Münchener Glaspalast sensationell die „Große Goldene Medaille“ erhielt.
Sie war entscheidend für den plötzlichen Ruhm der jungen Worpsweder Künstler. Mackensen war es zu verdanken, dass er mit seiner Leidenschaft seine Künstlerkollegen dazu bewogen hat, den Weg nach Worpswede zu gehen.
Nach dem Münchener Erfolg zog es viele junge Künstler nach Worswede. Und hier war es insbesondere Mackensen, bei dem sie Unterricht nahmen. Es ist für Worpswede ein großes Glück, dass er u. a. eine Paula Modersohn-Becker, aber auch Clara Rilke-Westhoff und Ottilie Reyländer ausbildete.
Malerisch sind insbesondere seine figurativen Gemälde von beeindruckender Größe, wie z. B. „Gottesdienst im Freien“ oder seine „Moormadonna“.
Man erkennt hier den starken Einfluss Bokelmanns auf das malerische Wirken seines Meisterschülers Mackensen. Und es ist anzunehmen, dass Bokelmann als der wohl bedeutendste, in unserer Region Geborene auch einen Einfluss auf Mackensens Weg nach Worpswede hatte.
Beide, Christian Ludwig Bokelmann und Fritz Mackensen, haben jeder auf seine Art eine beeindruckende Karriere gemacht. Beide sind mit ihrem Wirken kunsthistorisch von besonderer Bedeutung. Ohne sie wäre die Region auf der Landkarte der international bedeutenden Kunststätten nicht zu finden.
Die Ausstellung und das Buch sollen einen Beitrag dazu leisten, ihr Wirken entsprechend ihrer Bedeutung zu würdigen.

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