Vinnen + Krummacher

Ausstellungsarchiv

Carl Vinnen und Karl Krummacher

Gemälde zweier Freunde

Ausstellung vom 18. März – 7. Oktober 2018


aktuelle Ausstellung - Schnitter von Karl Krummacher

Schnitter von Karl Krummacher, im Besitz der Lilienthaler Kunststiftung

Moorlandschaft von Carl Vinnen

Moorlandschaft von Carl Vinnen, im Besitz der Lilienthaler Kunststiftung

Mit der Entwicklung der Industrialisierung in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts entstand bei den Menschen eine Sehnsucht nach der Natur, die sich auch auf die Künstler übertrug. Zum ersten Mal in der Malerei begaben sich Künstler aufs Land, um dort zu leben und zu arbeiten.
Zu ihnen gehörten auch Carl Vinnen (1863 – 1922) und Karl Krummacher (1867 – 1955), die es Ende des 19. Jahrhunderts in das kleine Moordorf Worpswede zog. Sie kannten sich, wie auch die ersten weiteren Worpsweder, aus der gemeinsamen Studienzeit an der bedeutenden Düsseldorfer Kunstakademie.
Carl Vinnen, Sohn eines Bremer Reeders, arbeitete viel in Worpswede, wohnte aber selbst dort nie. Sein Wohnsitz war das elterliche Landgut in Osterndorf bei Beverstedt und München. Früher als seine Worpsweder Kollegen hatte er sich bereits ab 1892 als Mitglied der Münchener Sezession in zahlreichen Ausstellungen einen Namen gemacht.
Er war es auch, der 1894 die Gründung der „Künstlervereinigung Worpswede“ initiierte, um gemeinsam die Worpsweder Kunst in der Öffentlichkeit zu präsentieren. An der ersten Gemeinschaftsausstellung 1895 in der Bremer Kunsthalle und anschließend im Münchener Glaspalast nahm er nicht teil, vermutlich bedingt durch einen Reitunfall, bei dem er sich ein Nervenleiden zuzog.
Neben der Landschaftsmalerei war seine große Leidenschaft das Malen von Tierbildern sowie von Meeres- und Hafenbildern. Besonders eindrucksvoll ist das riesige Gemälde „Bremen-Panorama“, das er 1912 im Auftrag der Bremer Baumwollbörse als Geschenk an Bremen für das Rathaus schuf. Es hängt im Festsaal des neuen Rathauses Bremen.
Er gilt als der Kolorist der Worpsweder Maler mit einer intensiven Farbigkeit in seinen Gemälden. Deutschlandweit bekannt wurde Vinnen mit seinem Protest gegen den Ankauf des Gemäldes „Mohnfeld“ von Vincent van Gogh im Jahre 1911 durch die Bremer Kunsthalle. Es folgte ein Protest deutscher Künstler gegen den Ankauf französischer Kunst von deutschen Museen, dem sich 120 deutsche Künstler anschlossen, u.a. auch Käthe Kollwitz.
Charakteristisch für Carl Vinnen dürfte die Beschreibung von Karl Krummacher sein: „Tatsachenmensch, Wage- mut und Unternehmungslust, großzügig, weitblickend und auch wieder berechnend, in allem ein echter Kaufmannssohn, Gefühl und Verstand hielten sich die Waage”, (1925).
Daneben sind einige Gemälde von Vinnens Vetter Helmuth Vinnen (1906-1979) zu sehen, der ein anerkannter Maler Norddeutscher Landschaften war.
Karl Krummacher (1867 – 1955), Sohn eines Pfarrers in Elberfeld, studierte ebenfalls in Düsseldorf und anschließend noch in München, Karlsruhe und Weimar. Da Krummacher neben der Malerei auch häufiger in Zeitschriften Aufsätze über Kunst veröffentlichte, wodurch er auch die Anerkennung von Alfred Lichtwark, Hamburger Kunsthallendirektor, fand, wird er Redakteur bei der Berliner Zeitschrift „Deutsche Kunst“.
1899 wechselt er auf Anregung seines Freundes Carl Vinnen nach Worpswede. Neben der Landschaft sind es die Bauern bei der Arbeit in Haus und Hof, auf die seine Sicht fällt.
Er ist im Grunde der einzige Worpsweder Maler, der den Zugang zu den einheimischen Bauern findet. Er kann sich frei unter ihnen bewegen. Er stellt fest: „Ich war bei den Bauern beinahe naturalisiert“.
Mit seinen Gemälden „Schnitter mit der Sense“, die „Bäuerin beim Spinnen“ oder „Die Kartenspieler“ zeigt er Szenen der damaligen Worpsweder Zeit. Sein großer Verdienst ist eine Dokumentation des bäuerlichen Lebens.
Seine Malweise bewegt sich zeitlebens zwischen dem naturalistischen und impressionistischen Stil.
In seinem Nachruf schrieb Waldemar Augustiny im Weser-Kurier „Er blieb der Liebhaber der Stille, der Beobachter des Unscheinbaren, er sah im scheinbar Kleinen das Große, im begrenzten Ausschnitt den Spiegel der Welt“.

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