Hanseatische Malerinnen

Ausstellungsarchiv

Hanseatische Malerinnen um 1900 – Wie sie die Welt sahen

Ausstellung mit über 120 Gemälden vom 6. März – 30. Oktober 2016

Ottilie Reylaender

Straße in Cuernavaca von Ottilie Reylaender
Dauerleihgabe aus Privatbesitz von Friedrich Netzel

Aus dem Italienzyklus von Aline von Kapff

Aus dem Italienzyklus von Aline von Kapff
Privater Leihgeber

Wenn wir uns mit den Malerinnen um 1900 befassen, so müssen wir insbesondere ihr gesellschaftliches Umfeld betrachten.

Im damaligen Wilhelminischen Deutschland waren im Bürgertum und Adel frauenfreundliche Stimmungen nicht gerade weit verbreitet. Den Frauen war in der Gesellschaft in erster Linie die Rolle als künftige Ehefrau, Hausfrau und Mutter im Schatten ihrer Männer zugedacht.

Um sich aus den vielfach vorhandenen Fesseln ihrer eigenen Umgebung zu lösen oder um überhaupt adäquate Ausbildungsmöglichkeiten zu finden, gingen die Künstlerinnen auf Reisen.
Sie gehörten in der damaligen Zeit zu den reisefreudigsten und auslandserfahrensten Frauen und gewannen dadurch eine ganz neue Weltsicht.

Mit ihrem Schaffen und Wirken kann man die Künstlerin um 1900 auch als erste Vertreterin der einsetzenden Frauenbewegung sehen.
Für Frauen mit dem Entschluss, Künstlerin werden zu wollen, gab es nur sehr eingeschränkte Ausbildungsmöglichkeiten. Der Zugang zu den staatlichen Akademien blieb ihnen verwehrt.
So war es ihnen nur möglich, bei bekannten Malern Unterricht zu nehmen oder private Malschulen zu besuchen. Dabei galt Paris als das Mekka der Kunst.

Erst ab 1919 war den Frauen ein wissenschaftliches und künstlerisches Studium möglich.
Der 1856 in Bremen gegründete Künstlerverein blieb Frauen bis 1928 verschlossen. Aus diesem Grunde wurde 1899 der Bremer Malerinnenverein (BMV) gegründet, dem u. a. Aline von Kapff, Toni Elster, Anna Plate und Anna Feldhusen angehörten.

Ab 1926 etablierte sich von Hamburg ausgehend die GEDOK, der u. a. die Malerinnen Dora Bromberger, Elisabeth Noltenius, Liesel Oppel, Margarethe von Reinken, Clara Rilke-Westhoff, Olga Cordes und Agnes Sander-Plump angehörten.

Zu Unrecht sind die Werke dieser Künstlerinnen weitgehend unbekannt oder nur wenigen Kunstinteressierten vertraut.
Diese Lücke wird in der jetzigen Ausstellung geschlossen.

Eine großartige Bereicherung dieser Ausstellung stellen Werke der Bildhauerin und Malerin Hedwig Woermann (1879-1960) dar.
Als Tochter des Hamburger Großreeders Adolph Woermann war sie kurze Zeit Schülerin Mackensens in Worpswede und des bekannten Bildhauers Emile-Antoine Bourdelle (1861-1929) in Paris.
Die Werke dieser ungewöhnlichen Künstlerin und Weltbürgerin werden erstmals in unserer Region gezeigt.

Von allen hier erwähnten Künstlerinnen zeigt die Ausstellung ausgewählte Exponate und bietet damit einen repräsentativen Einblick in das Wirken der Hanseatischen Malerinnen um 1900. 
Die Ausstellung zeugt von willensstarken Künstlerinnen.

Durch ihre Weltoffenheit, ihre Studien in großen europäischen Kunstmetropolen und Aufenthalten in Südamerika und Afrika zeigen ihre Werke Motive und Malstile, die weitgehend über unsere regional begrenzte Wahrnehmung hinausgehen.

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