Ausstellung Vorschau

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Tetjus Tügel – Maler & Poet

Auf der Suche nach dem Sein des Lebens

Ausstellung vom 21. Oktober 2018 – 7. April 2019

aktuelle Ausstellung - Bildnis Henriette Benthien von Tetjus Tügel

Bildnis Henriette Benthien von Tetjus Tügel

Knorriger Baum von Tetjus Tügel

Knorriger Baum von Tetjus Tügel

Vase mit Wollgras von Tetjus Tügel

Vase mit Wollgras von Tetjus Tügel

WEH UNS, DASS WIR WISSEN!

Oft meinen wir, wir seien selbst, die schöpfen,
wir schrieben Worte, abgrundklug und tief.
Nur Krüge sind wir. Aus zersprungenen Köpfen
strömt Wahnsinn, wo der Inhalt nutzlos überlief.

Wie lernten wir – noch Kinder – angestrengt zu denken,
und wie verlernten sich, ergreift, Gedanken leicht.
Am Ziel vermögen wir die Schritte kaum zu lenken
und wo ist der, der noch bewusst sein Ziel erreicht?

Die Gegenwart, schon morsch von Zukunft und Vergangenheit,
versagt sich uns, da wir sie spaltend wägen müssen.
Der Baum Erkenntnis trägt verflucht die Frucht
der Menschlichkeit:
Gottähnlich, doch nie göttlich! Weh uns, dass wir wissen!

Tetjus Tügel erfüllt alle Vorstellungen einer genialen Künstlerfigur.
Er ist begabt und erfolgreich auf dem Gebiet der Musik, Literatur und Kunst. Besonders beeindruckend ist sein zeichnerisches Talent.
Er wächst in Hamburg in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Sein älterer Bruder Franz (1888) war Landesbischof, der Bruder Ludwig
(1889) angesehener Schriftsteller und der jüngere Hans (1894) Schauspieler und Regisseur beim NDR.
Tetjus Tügel lehnte Schulen ab. Sein Bruder Hans über ihn:
„…Tetjus… verließ vorzeitig die Schule, malte, liebte, musizierte und dachte nicht daran, überhaupt irgendwelchen bürgerlichen Beruf anzustreben.“
Vermutlich auf Empfehlung von Carl und Gerhart Hauptmann, Freunde seiner Eltern, kommt er 1909 nach Worpswede.
Es entsteht eine tiefe Verbundenheit zu der Moorlandschaft und seiner ländlichen Bevölkerung, die in seinen Bildern, Gedichten und
Liedern zum Ausdruck kommt.
Das malerische Werk von Tetjus Tügel lässt sich in keiner Form in das der anderen Worpsweder Maler einordnen. Als Autodidakt sucht und findet er eine eigene Bildsprache und Technik. Er wählt als Malgrund eine Holzplatte, auf die er saugfähiges Papier klebte. Die Farbpigmente löste er in Spiritus oder Wasser und trug sie mit dem Aquarellpinsel fein auf.

Das Moor schildert er als eine morbide oder poetische Welt. Sein beeindruckendes zeichnerisches Talent kommt in seinem bekannten Zyklus „Das traurige Land“ zum Ausdruck. Hier zeigt er Szenen aus dem Leben der Moorbauern. Er erzählt vom Leben, Lieben, Arbeiten und Sterben der Menschen, die täglich dem Moor ihre ganze Kraft geben und um ihr Überleben ringen.

Mystisch und voller Poesie sind seine Frauenportraits, die an Ikonen östlicher Kulturen erinnern. Im Laufe der Zeit idealisiert Tügel sie immer mehr, die Gesichtszüge werden madonnenhafter.

Tetjus Tügel führt ein Leben in Exzessen zwischen Alkohol und Ernüchterung, Schaffensrausch und Depression. Er ist achtmal verheiratet und hat Kinder aus verschiedenen Verbindungen.
Sein bohemienhaftes Leben spielt sich zwischen Hamburg und Worpswede ab.

In Worpswede war er einer der zentralen Figuren der zweiten Generation der dort ansässigen Künstler. Mit Beginn des Nationalsozialismus ist er der einzige aktive Worpsweder Künstler, dessen Arbeiten aus öffentlichen Sammlungen „als entartet“ entfernt werden, wie seine „Eva“ aus der Hamburger Kunsthalle.

Trotz seiner inneren Verbundenheit mit Worpswede erfährt Tetjus Tügel seine größten Erfolge und die künstlerische Anerkennung in Hamburg. Er wird 1919 Gründungsmitglied der Hamburger Sezession, die in den 20-er Jahren das Kulturleben der Hansestadt bestimmt. Tetjus Tügel nimmt jährlich an Ausstellungen in der Hamburger Kunsthalle teil, so z.B. 1921 an der Internationalen Avantgarde, wo seine Arbeiten neben Bildern von Franz Marc und Carl Schmidt-Rottluff hängen.

Wir bieten Führungen-» durch unsere Ausstellung an.

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